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In vielen Büchern und von einigen Zen-Lehrern werden gerne klassische Sätze wie 不立文字 "nicht auf Texten aufbauen" bzw. "keine Texte verfassen" zitiert. Außerdem werden immer wieder Geschichten kolportiert, in denen Priester oder Mönche Texte verbrannt oder das Lernen aus den Büchern verworfen haben. Tatsächlich ist jedoch die Auseinandersetzung mit den buddhistischen Schriften unerlässlich, wenn man Zen-Buddhismus und nicht Seifen-Zen betreiben möchte.

Das falsche Verständnis dieser Ablehnung des reinen Studiums der Schriften hat eigenartige Blüten getrieben, so dass einige Zen-Praktizierende der Meinung sind, es sei besser Pornos oder Krimis zu lesen als die klassischen Sutren. Genauso kann man die Meinung hören, es sei schädlich Bücher über Buddhismus zu lesen oder noch schlimmer Bücher über Zen. Dann wird gerne auf "Intellektuelle" und Bücherwürmer geschimpft.

Tatsächlich lernen wir jedoch immer. Egal ob wir studieren, ob wir nichts tun, ob wir vor dem Fernseher sitzen, ob wir Arbeiten, ob wir lesen, ob wir Vorträge anhören, ob wir meditieren oder ob wir uns unterhalten. Wir können gar nicht anders. Unser Gehirn ändert sich ständig im Verlauf der Zeit. Es nimmt Informationen auf (ungefähr 100 Megabyte pro Sekunde) und verarbeitet sie und passt sie in die Informationen ein, die schon vorher in unserem Kopf gespeichert sind. Auch wenn wir meinen, nichts zu tun (im Zazen) ist unser Hirn doch ständig aktiv. Wir lernen, wenn wir intelligente Dinge lesen und wir lernen, wenn wir zappen. Wir lernen, wenn wir Fußball schauen, wir lernen wenn wir in der Nase popeln.

Wenn man also nicht gerade Zazen praktiziert, nicht gerade arbeitet, schläft oder sonst etwas wunderbares oder lebensnotwendiges, ist das Studium klassischer Schriften über Zen oder Buddhismus eine durchaus erwägenswerte Alternative zu manch anderen Blödsinn.

Es gibt verschiedene Arten, die Schriften zu studieren:

  1. Das Lesen der Schriften allein für sich, aber ergänzend zur meditativen Praxis und körperlichen Arbeit.
  2. Das Lesen der Schriften, indem sie rezitiert werden. Dazu gehört allerdings auch, dass diese Texte beim Rezitieren inhaltlich verstanden werden.
  3. Das Anhören von Vorträgen von älteren und erfahreneren Mönchen und Nonnen.
  4. Die Diskussion über Inhalte mit Freunden und Feinden, Bekannten und Fremden, Lehrern und Schülern.

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